Tonleitern verstehen: Dur- und Moll – Für Klavier & Gitarre

Wer Gitarre oder Klavier lernt, wird früher oder später Bekanntschaft mit ihnen machen: Tonleitern. Kein Wunder, denn sie zählen zu den wichtigsten Grundlagen der Musik. Dabei stellen sich Anfänger unabhängig ihres Instruments die Frage: Was sind deren Besonderheiten? Wie helfen sie beim Musizieren? Und wie unterschieden sie sich? Nachfolgend soll das Wichtigste zu diesen melodischen Basics geklärt werden.

Was ist eine Tonleiter?

Bei einer Tonleiter handelt es sich um eine festgelegte Reihenfolge unterschiedlicher Töne. Sie sind nach ihrer Höhe angeordnet und durch die sogenannten Rahmentöne begrenzt. Dabei enthalten sie eine variable Anzahl an Vorzeichen, die die Erhöhung oder Erniedrigung eines Tons angeben. Diese können aufgelöst werden, ohne den Aufbau der Tonleiter zu verändern. Egal, ob Gitarre oder Klavier gelernt werden soll – das ist eine der wesentlichen Grundlagen für das strukturierte Musizieren.

Dabei unterscheidet sich der Aufbau der Tonleitern in der Musik teilweise stark. So sind die Halb- und Ganztonschritte der Dur-Tonleiter anders angeordnet als die der verschiedenen Moll-Tonleitern. Das sorgt für deren fröhlich oder traurig wirkenden Charakter. Jedoch: Dieser Aufbau gilt instrumentenübergreifend. Am Klavier sind die Tonleitern also gleich angeordnet wie bei der Gitarre.

Der typische Aufbau einer Dur-Tonleiter

Die als fröhlich empfundene Dur-Tonleiter besitzt einen sogenannten Halbtonschritt zwischen der dritten und vierten Note. Auch zwischen dem siebten und achten Ton ist er zu finden. Wird die C-Dur-Tonleiter am Klavier gespielt, lässt er sich gut an den aufeinander folgenden weißen Tasten erkennen. Dabei ist der letzte Ton der Grundton, der jedoch eine Oktave höher als die anfänglich angeschlagene Note erklingt. Soll die Tonleiter nun wiederholt werden, bleibt diese Abfolge bestehen. Gleiches gilt an der Gitarre.

So ist eine Moll-Tonleiter aufgebaut

Ebenso wie die Dur-Form besitzt auch die Moll-Tonleiter eine bestimmte Struktur. Zu beachten ist jedoch, dass es von ihr mehrere verschiedene Varianten gibt. Die natürliche oder reine Moll-Tonleiter besitzt Halbtonschritte zwischen dem zweiten und dritten sowie dem fünften und sechsten Ton.

Wer die harmonische Moll-Tonleiter spielen möchte, benötigt einen weiteren Halbtonschritt. Er wird zwischen der siebten und achten Stufe gespielt.

Zugleich lässt sich auf dem Klavier oder der Gitarre die sogenannte melodische Moll-Tonleiter spielen. Sie gilt als schwer zu singen, wobei sie vergleichsweise leicht auf Melodieinstrumenten erlernt werden kann. Ihr Aufbau ähnelt stark der Dur-Tonleiter. Lediglich die kleine Terz auf der dritten Stufe unterscheiden sie.

Darüber hinaus lässt sich auf dem Klavier oder der Gitarre das sogenannte Zigeuner-Moll spielen. Eine Dur-Variante davon gibt es ebenso. Beide werden unter dem Fachbegriff Zigeunertonleiter zusammengefasst und hauptsächlich in klassischer Musik oder Folklore eingesetzt.

Darum sind Tonleitern für Klavier und Gitarre so wichtig

Keine Frage: Vor allem für Anfänger an der Gitarre oder am Klavier ist es nicht leicht, sich die einzelnen Tonleitern und deren Besonderheiten einzuprägen. Der Aufwand lohnt mit Blick auf die Vorteile dennoch. So unterstützen sie Musiker dabei, ihr Gehör nachhaltig zu schulen. Dies wiederum erleichtert es ihnen zu erkennen, in welcher Tonart ein bestimmtes Stück geschrieben ist. Dadurch können auch Neulinge am Klavier oder an der Gitarre Lieder schneller zu lernen. Schließlich ist mit Blick auf die Noten sofort klar welche Töne durch die Vorzeichen erhöht oder erniedrigt werden müssen.

Darüber hinaus können mit fortschreitender Spielerfahrung einfacher Harmonien gebildet werden. Die Liedbegleitung auf der Gitarre oder am Klavier geht dank der Tonleitern also deutlich einfacher von der Hand. Gemeinsam mit anderen zu musizieren gelingt hierdurch ebenfalls entspannter und mit mehr Spaß.

Somit vereint das Üben von Tonleitern mehrere Vorteile in sich: Das theoretische Verständnis für Musik wird geschult, während technische Fertigkeiten verbessert werden. Auch stellen die festgelegten Tonabfolgen eine verlässliche Grundlage für Improvisationen dar. Wer eigene Songs schreiben möchte, kommt an ihnen außerdem nicht vorbei.

Die unterschiedlichen Vorzeichen in der Musik

Neben dem Einprägen der Halbton- und Ganztonschritte ist für das Lernen der Tonleitern eine weitere musikalische Besonderheit wichtig: die Vorzeichen. Diese stellen sogenannte Generalvorzeichen in der Notenschrift dar, die direkt hinter dem Notenschlüssel platziert werden. Die Taktangabe ist nach den Vorzeichen abzulesen. Dabei besitzt jede Tonleiter eine unterschiedliche Anzahl an Kreuzen oder Bes.

Ist keines davon vorhanden, handelt es sich entweder um C-Dur oder die natürliche A-Moll-Tonleiter. Am Charakter sowie an den vorhandenen Ganz- oder Halbtonschritten ist zu erkennen, um welche Form es sich handelt.

Der sogenannte Quintenzirkel hilft Gitarristen oder Pianisten dabei, sich die Vorzeichen nebst den dazugehörigen Tonleitern zu merken:

Bei ihm handelt es sich um eine kreisförmige Übersicht der Dur-Tonleitern sowie der natürlichen Moll-Tonleitern. Ebenso wie eine Uhr ist sie in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. C-Dur oder A-Moll sind dabei stets auf 12 Uhr notiert. Sie besitzen keine Vorzeichen.

Die nächste Tonleiter des sich im Uhrzeigersinn bewegenden Quintenzirkels ist G-Dur oder E-Moll. Beide besitzen ein Kreuz. Anschließend folgen D-Dur und B-Moll mit zwei Kreuzen sowie A-Dur und Fis-Moll mit drei Vorzeichen. Vier Kreuze zeigen E-Dur beziehungsweise Cis-Moll an. Wer B-Dur oder Gis-Moll spielen möchte, fügt schließlich ein weiteres Kreuz hinzu.

Ist der Quintenzirkel bei 18 Uhr angelangt, können sechs Kreuze abgelesen werden. Die Tonleiter ist nun Fis-Dur oder Es-Moll. Gleichzeitig zeigt der Kreis an dieser Stelle auch die sogenannten Bes an. Während ein Kreuz das Gespielte um Halbton erhöht, erniedrigen diese eine Note um denselben Wert.

Die Tonleitern mit Be vorgestellt

Unabhängig davon, ob an der Gitarre oder am Klavier – die Tonleitern mit Be als Vorzeichen werden von Anfängern oft als schwieriger zu lernen wahrgenommen. Daher ist es sinnvoll, ihnen beim Üben besondere Beachtung zu schenken.

Von 12 Uhr absteigend besitzt F-Dur beziehungsweise D-Moll ein Be. Zwei Vorzeichen sind charakteristisch für B-Dur oder G-Moll. Soll Es-Dur oder C-Moll erklingen, muss ein weiteres Be hinter dem Notenschlüssel stehen. Gleiches gilt für As-Dur sowie F-Moll mit vier Vorzeichen. Des-Dur und B-Moll zeigen fünf Bes vor der Taktangabe an. Ist der Quintenzirkel bei 18 Uhr angelangt, ertönen Ges-Dur oder Es-Moll. Auch die Tonleitern mit sechs Kreuzen können an dieser Stelle abgelesen werden.

Intervalle: die Basis jeder Tonleiter

Ist von Dur- oder Moll-Tonleitern die Rede, darf auch eine Erklärung der Intervalle nicht fehlen. Sie sind für deren typischen Charakter ausschlaggebend.

Da unser westliches Tonsystem aus insgesamt 12 unterschiedlichen Tönen besteht, gibt es 13 verschiedene Intervalle. Die reine Prime ist dabei identisch mit dem Ausgangston jeder Tonleiter. Zwischen den anderen Intervallen liegt jeweils ein Halbton:

Die kleine Sekunde befindet sich einen Halbton von der Prime entfernt. Entsprechend umfasst die große Sekunde zwei Halbtonschritte vom Grundton aus. Die kleine Terz, die charakteristisch für die Moll-Tonleiter ist, zählt drei Halbtöne. Wird ein weiterer Schritt addiert, ertönt die große Terz als Erkennungsmerkmal der Dur-Tonleiter.

Fünf Halbtonschritte umfasst die reine Quarte, wobei auch ihre übermäßige Form in der Musik ihren Einsatz findet. Ebenso wie die verminderte Quinte ist sie sechs Halbtöne von der Prime entfernt. Dabei gibt das Vorzeichen an, ob das übermäßige oder verminderte Intervall in der Tonleiter vorkommen muss.

Ein weiteres häufig gespieltes Intervall ist die reine Quinte. Sie ist der höchste Ton in einem klassischen Dreiklang und umfasst insgesamt sieben Halbtöne. Dabei ist sie Gitarristen als wesentlicher Bestandteil der Power Chords bekannt. Pianisten nutzen die Quinte ebenfalls gerne für Improvisationen.

Die acht Halbtöne umfassende kleine Sexte erinnert stark an die Moll-Tonleiter. Dies fällt vor allem im direkten Vergleich mit der fröhlich klingenden großen Sexte auf. Letztere vereint neun Halbtonschritte in sich.

Einen weiteren Halbton erhält die kleine Septime. Entsprechend ist die große Sept elf Halbtöne von der Prime entfernt. Sie löst sich in die reine Oktave auf, die den Abschluss jeder Tonleiter bildet. Gemäß unseres westlichen Tonsystems ist sie vom Ausgangsklang 12 Tonschritte entfernt.

Hilfreiche Tipps zum Üben von Tonleitern

Tonleitern in der Musik zu verstehen ist eine Sache. Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, sie in die persönliche Routine beim Üben zu integrieren. Das gelingt an der Gitarre oder am Klavier auf mehreren Wegen.

So sollte zunächst die theoretische Auseinandersetzung mit den Tonleitern, deren Vorzeichen und den Halbtonschritten im Lernfokus stehen. Essenzielles Wissen lässt sich dadurch festigen, was auch das Verständnis der melodischen Eigenheiten umfasst. Schließlich stellt eine Tonleiter die Basis für das harmonische Zusammenspiel verschiedener Töne in einem Lied dar. Stimmt diese nicht oder nur teilweise, klingt das Spiel schnell unrund.

Das Singen von Tonleitern oder einzelner Passagen daraus ist ebenfalls empfehlenswert. Das verbessert die Vorstellungskraft und unterstützt Musiker dabei, ihre Kreativität beim Improvisieren zu entfalten. Gleichzeitig ermöglicht es ihnen zu hören, ob sie die einzelnen Noten einer Tonleiter richtig spielen.

Das ist in der musikalischen Praxis unverzichtbar. Schließlich gilt beim Zusammenspiel mit anderen Tonartisten: Die Grundlage zwischen verschiedenen Instrumenten stellen neben dem Rhythmus vorab festgelegte Tonabfolgen dar. Sie können einfach einer einzelnen Tonleiter entnommen werden.

Tonleitern lernen: ein Aufwand, der sich lohnt

Mit Blick auf die Vorteile von Tonleitern ist klar, dass sie für das Erlernen eines Musikinstruments unverzichtbar sind. Unabhängig davon, ob es sich um Klavier oder Gitarre handelt – diese Basis muss stimmen. Dabei gibt es viele Wege, das Lernziel zu erreichen. Es empfiehlt sich hierbei in jedem Fall, Theorie und Praxis zu verbinden.

So lohnt es sich einerseits, die Tonleitern mit den jeweiligen Vorzeichen auswendig zu lernen. Soll vom Blatt gespielt werden, lassen sich dadurch schnell die richtigen Töne zupfen oder anschlagen. Gleichzeitig bietet sich das Singen der Tonleitern oder einzelnen Intervalle daraus an. So wird das Gehör trainiert, wobei auch die musikalische Vorstellungskraft von dieser Übung profitiert.

Darüber hinaus darf eine Tonleiter gerne zur Improvisation genutzt werden. Auch das verbindet das Kurzweilige mit dem Lehrreichen: Während die korrekten Vorzeichen und Töne vor dem inneren Auge durchgegangen werden, entfalten Gitarristen oder Pianisten ihre Kreativität. Diese ist es, warum Tonleitern letztlich so häufig gelernt werden. Sie vermitteln nämlich essenzielles musikalisches Grundwissen als hilfreicher Begleiter für ein ganzes Musikerleben – und das ist nicht zu überhören.